ABC-Länder

Die ABC-Länder sind Argentinien, Brasilien und Chile. Der Name wurde in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg verwendet.

Nach der Beilegung von Grenzstreitigkeiten zwischen Argentinien und Chile versuchten diese Nationen zusammen mit Brasilien als dominierenden Wirtschafts- und Kulturmächten der Region, ein politisches Bündnis zur Vermittlung regionaler und hemisphärischer Streitigkeiten zu schließen. Diese Bemühungen wurden mit dem sogenannten ABC-Vertrag von 1915 gefestigt, der auf die erfolgreiche Schlichtung eines Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko folgte.

Die ABC-Länder haben ihre Rolle in der interamerikanischen Diplomatie weiter ausgebaut, indem sie Streitigkeiten zwischen Kolumbien und Peru und erfolglos zwischen Paraguay und Bolivien vermittelt haben. Die Koalition löste sich 1917 infolge des Beitritts Brasiliens zu den alliierten Bemühungen gegen Deutschland auf. Während die direkten Ergebnisse des ABC-Vertrags nur von kurzer Dauer waren, zeigte das Bündnis zwischen seinen drei Nationen seine internationalen Bestrebungen sowie das Potenzial für eine interamerikanische Diplomatie.

Mitte der 1970er Jahre hatten die Verbindungen zwischen den Regierungen der drei Länder ein unheimliches Profil. Die rechten Militärdiktaturen Argentiniens, Brasiliens und Chiles schlossen sich unter anderem unter dem Paradigma der nationalen Sicherheitsdoktrin in der Operation Condor (offiziell 1975 gegründet) zusammen, um die "linke Subversion" durch Koordination zu beseitigen von staatlich geführten Terrorismus- und Geheimdienstoperationen.

Mit der Rückkehr zur Demokratie in den 1980er Jahren änderte sich der Zeitgeist erheblich. 1985 gaben die Präsidenten Sarney aus Brasilien und Alfonsin aus Argentinien die Erklärung von Iguazu heraus und unterzeichneten 1988 den Tratado de Integracion, Cooperacion y Desarrollo (Integrations-, Kooperations- und Entwicklungsvertrag). 1991 unterzeichneten Argentinien und Brasilien mit Paraguay und Uruguay den Vertrag von Asunción, aus dem der Mercosur (der südliche Gemeinsame Markt) hervorging, und 1996 trat Chile als assoziiertes Mitglied der Gewerkschaft bei. Nach einer langen Zeit politischer Instabilität in der Region wurden die politischen und wirtschaftlichen Bindungen zwischen den drei ABC-Ländern gestärkt und Verträge geschlossen, um die Mechanismen der Zusammenarbeit im Bereich der regionalen Sicherheit und Demokratie zu stärken.