Vincent, Sténio Joseph (1874–1959)

Sténio Joseph Vincent (b. 1874; d. 1959), Präsident von Haiti (1930–1941). Als Mitglied der Mulattenelite war Vincent Anwalt, Diplomat und Politiker. Er war Bürgermeister von Port-au-Prince und unternahm mehrere diplomatische Vertretungen in Paris, Berlin und Den Haag. Vincent leitete sowohl die antiinterventionistische Nationalistische Partei als auch die Patriotische Union und erlangte die Präsidentschaft aufgrund seiner Opposition gegen die US-Besatzung. Vincent wurde im November 1930 von der Nationalversammlung zum Präsidenten gewählt. Obwohl er sein Amt nach dem Prinzip der parlamentarischen Regierung angetreten hatte, stützte er seine Macht auf offiziell kontrollierte Volksabstimmungen.

Als Präsident wurde Vincent allgemein als parteiisch gegenüber Mulatten angesehen. Er war besonders misstrauisch gegenüber dem Wache von Haiti, eine überwiegend schwarze Nationalgarde, die von den US-Marines organisiert wird. Als solcher baute er seine eigene spezielle Präsidentengarde auf, die ihre Waffen im Nationalpalast aufbewahrte. 1934 besuchte Vincent die Vereinigten Staaten und überzeugte Präsident Franklin D. Roosevelt, die US-Marines zurückzuziehen. Danach ließ Vincents leidenschaftlicher Nationalismus etwas nach. 1935 verlängerte Vincent seine Amtszeit um fünf Jahre. Außerdem erklärte er den Senat "in Rebellion gegen den Willen des Volkes" und vertrieb seine Mitglieder aus der Kammer. Anschließend machte er mehrere Ouvertüren, um die Beziehungen zwischen den USA und Haiti zu verbessern und US-Touristen anzulocken, beispielsweise das Angebot, ein Gesetz zu ändern, das das Glücksspiel im Casino erleichtert hätte.

Vincents Popularität schwand jedoch aufgrund seiner Abneigung gegen Schwarze und seiner schwachen Reaktion auf das Dominikaner-Massaker an Haitianern im Jahr 1937. 1941 entschied sich Vincent gegen eine erneute Verlängerung seiner Amtszeit und zog sich stattdessen friedlich zurück. Er starb in Port-au-Prince.