Ynsfrán, Edgar l. (1920–1991)

Edgar L. Ynsfrán (b. 1920; d. 1991), paraguayischer Politiker. Als General Alfredo Stroessner 1954 die Macht übernahm, brauchte er kompetente Verbündete, um seinem Regime ein Furnier von Legitimität und Seriosität zu verleihen. Bei diesen Bemühungen war es selbstverständlich, dass er sich an Edgar L. Ynsfrán wandte, einen talentierten jungen Intellektuellen, der sich seit dem Bürgerkrieg von 1947 in Kreisen der Colorado Party einen Namen gemacht hatte. Ynsfrán, ein Schützling des rechten ehemaligen Präsidenten Juan Natalicio González, war ausgebildeter Anwalt. Er hatte bereits als Abgeordneter in Colorado, Polizeibeamter und Mitglied der Junta de Gobierno gedient. Er war auch ein vielgelesener Essayist, ein unermüdlicher Arbeiter und ein kluger Parteiorganisator. Vor allem war er bereit, in politischen Angelegenheiten als Stroessners Agent aufzutreten.

Der General machte Ynsfrán Mitte der 1950er Jahre zu seinem Innenminister, genau zu der Zeit, als die demokratische Opposition - sowie die linksgerichteten Guerillagruppen - aktiv nach dem Sturz des Diktators suchten. Ynsfrán bemühte sich energisch, diese Bedrohungen zu bekämpfen. Obwohl er den Eindruck eines ruhigen, strengen Gelehrten erweckte, füllte er Paraguays Gefängnisse mit Hunderten von politischen Gefangenen, von denen viele gefoltert wurden.

Mitte der 1960er Jahre hatte Ynsfráns Unterdrückungsapparat fast alle Feinde Stroessners im Land zerstört. Der Erfolg seiner Kampagne gab Ynsfrán jedoch ein Maß an Macht, das dem des Präsidenten selbst unangenehm nahe kam. Stroessner wollte nicht zu viel Versuchung vor die Augen seines Ministers stellen und ließ Ynsfrán 1966 abrupt aus dem Kabinett fallen. Danach widmete sich der ehemalige Innenminister viel geschäftlichen Angelegenheiten und dem Bau einer prächtigen Bibliothek paraguayischer Bücher, Dokumente und Erinnerungsstücke davon wurde der Nation kurz vor seinem Tod gespendet. In den letzten zwei Jahren seines Lebens versuchte er ein politisches Comeback, aber seine unappetitliche Vergangenheit hinderte ihn daran, selbst innerhalb seiner eigenen Colorado-Partei große Fortschritte zu erzielen.